Reiseversicherung

Reiseversicherungen – alles nur Mogelpackungen?

 


Die Urlaubszeit, bekannt als die schönste Zeit des Jahres, will jeder möglichst sorgenfrei genießen. Können spezielle Versicherungen dazu beitragen? Glaubt man vielen Reiseportalen im Internet, kann die Antwort nur „ja“ lauten, denn hier wird der Kunde mit einer ganzen Palette von Versicherungsangeboten konfrontiert. Verbraucherschützer sind da eher skeptisch und verweisen darauf, dass viele Risiken bereits durch die normalen privaten Versicherungen abgedeckt sind. Was ist nun richtig?

Unfallversicherung

Eine private Unfallversicherung sollte jeder, der im Berufsleben steht, und auch jedes Kind haben. Für Erwachsene ist eine ausreichend bemessene Invaliditätssumme mit Progression wichtig. Wer beispielsweise eine Grundsumme von 40.000 € bei 1.000 % Progression versichert, bekommt im Fall einer Vollinvalidität 400.000 €. Das reicht, um ein Haus barrierefrei umzubauen, ein Pflegebett oder ein geeignetes Fahrzeug anzuschaffen. Für Kinder ist die Unfallrente interessanter – diese wird beim Erwerbstätigen besser über eine Berufsunfähigkeitsversicherung abgesichert, wie in unserem zweiten Tipp bechrieben.

Anders als die gesetzliche Unfallversicherung gilt die private Versicherung rund um die Uhr und weltweit. Eine zusätzliche Unfallversicherung nur für die Reise ist nicht nötig, auch nicht für Flugreisen, denn als Passagier haben Sie auch im Flugzeug vollen Versicherungsschutz. Investieren Sie das gesparte Geld besser in die Unfallversicherung, die Sie auch zuhause und am Arbeitsplatz schützt.

Haftpflichtversicherung

Ihre private Haftpflichtversicherung gilt auf Reisen im In- und Ausland. Für normale Urlaubs- und Geschäftsreisen ist das ausreichend. Nur wenn Sie einen längeren Auslandsaufenthalt planen, fragen Sie Ihren Versicherer nach der Geltungsdauer der Versicherung im Ausland. Üblich ist ein Jahr, viele Versicherer verlängern die Deckung aber ohne Mehrbeitrag. Ansprüche wegen Schäden an gemieteten Immobilien, also einer Ferienwohnung oder einem Hotelzimmer, sind versichert. Eine Haftpflichtversicherung nur für den Urlaub brauchen Sie nicht.

Sachversicherung

Fast alle Hausratversicherungen enthalten eine Außenversicherung. Darüber sind Hausratgegenstände auch versichert, wenn sie sich vorübergehend außerhalb Ihrer Wohnung befinden. Für die Außenversicherung gibt es eine Entschädigungsgrenze. Das ist meist nicht problematisch, denn Sie nehmen ja nicht Ihre ganze Wohnzimmereinrichtung mit in den Urlaub. Aber Achtung: Die Deckung für Einbruch und Sturm zieht nur, wenn die Sachen in einem Gebäude sind – also zum Beispiel in Ihrem Hotelzimmer. Bei einem Raub oder Brand haben Sie auch im Freien Versicherungsschutz. Fegt ein Sturm aber Ihr Zelt weg, ist das kein Versicherungsfall für die Hausratversicherung. Und wird Ihr Auto aufgebrochen, kommt es darauf an, wie gut Ihr Versicherungsvertrag ist. Unser Tipp: Sprechen Sie mit Ihrem Versicherer über ausreichende Versicherungssummen für die Außenversicherung und lassen Sie sich über sinnvolle Ergänzungen des Vertrages beraten.

Eine Reisegepäckversicherung ergänzt die Hausratversicherung um Gefahren, die in der Hausratversicherung nicht versicherbar sind, etwa einfachen Diebstahl, Stehen- oder Liegenlassen. Allerdings gibt es in den Angeboten der Reiseportale oft gravierende Einschränkungen wie Ausschluss von grober Fahrlässigkeit und Beschränkung auf den Zeitwert. Fragen Sie Ihren Hausratversicherer, ob er eine Reisegepäckversicherung für das ganze Jahr anbietet. Die Konditionen sind oft deutlich besser, manche Versicherer integrieren sogar einen sogenannten Domizilschutz, der auch an Ihrem Wohnort gilt.

Autoversicherung

Fahren Sie mit dem eigenen Auto ins Ausland, ist die Grüne Versicherungskarte wichtig. Innerhalb der EU braucht man sie zwar formal nicht, hilfreich kann sie beim Grenzübertritt oder einem Unfall aber trotzdem sein. Außerhalb der geografischen Grenzen Europas muss der Versicherer keine Deckung gewähren und kann Länder von der Grünen Karte streichen. Für diese benötigen Sie dann eine besondere Grenzversicherung. Das kann zum Beispiel für den asiatischen Teil der Türkei gelten. Umgekehrt können Länder, die auf der Grünen Karte nicht gestrichen sind, trotzdem eine Grenzversicherung bei der Einreise verlangen. Unser Tipp: Protestieren Sie nach Rückkehr beim Büro Grüne Karte. Sie haben gute Chancen, den Beitrag für die Grenzversicherung erstattet zu bekommen.

Ist Ihr Auto in Deutschland teilkaskoversichert, fragen Sie Ihren Versicherer nach einer Urlaubskasko. Dann sind Sie für die Urlaubsfahrt auch gegen Unfälle und böswillige Beschädigung versichert. Auch eine Schutzbriefversicherung leistet gute Dienste, wenn Sie unterwegs Hilfe benötigen. Allein schon die Notrufnummer mit einem deutschsprachigen Service ist eine große Beruhigung.

Nehmen Sie im Urlaub einen Mietwagen, schauen Sie vorher in den Vertrag für Ihr eigenes Auto. Unter dem Stichwort Mallorca-Police stocken viele Versicherer den oft unzureichenden Haftpflicht-Versicherungsschutz im Ausland auf deutsches Niveau auf.

Krankenversicherung

Eine Auslandsreise-Krankenversicherung ist für alle, die nicht ohnehin privat krankenversichert sind, dringend zu empfehlen. Für einen sehr geringen Betrag erhalten Sie bei den großen Krankenversicherern eine Police mit guten Leistungen, die das ganze Jahr über gilt und die nicht vor jedem Urlaub erneuert werden muss.

Reiserücktrittskostenversicherung

Ärgerlich genug, wenn der Urlaub ins Wasser fällt. Noch ärgerlicher ist es, wenn das Urlaubsbudget für Stornokosten drauf geht. Bevor Sie eine Reiserücktrittskostenversicherung abschließen, lesen Sie genau, welche Gründe die Leistungspflicht des Versicherers auslösen. Meist sind es nur Erkrankungen und Unfälle, eventuell auch größere Sachschäden, beispielsweise wenn kurz vor dem Urlaub Ihr Haus abbrennt. Die Angst vor einem Terroranschlag ist kein versicherter Rücktrittsgrund. Achten Sie darauf, dass neben dem Rücktritt auch der Reiseabbruch versichert ist, für den Fall, dass Sie oder Mitreisende im Urlaub erkranken. Unser Tipp: Fragen Sie auch hier nach Jahresverträgen. Das lohnt sich oft schon bei zwei Reisen pro Jahr, und Sie müssen nicht immer wieder neu an den Abschluss denken.

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